Im Februar ruft eine Familie an. Der Großvater sitzt im Rollstuhl, sie wollen zwei Nächte Ende Mai, und die Frage kommt nach dreißig Sekunden: ist das Sanitärgebäude barrierefrei, und kommt man ohne Stufe zur Parzelle. Wenn Sie am Telefon zögern, geht die Buchung zum nächsten Platz. Barrierefreiheit auf dem Campingplatz ist nicht nur eine Pflicht, sie ist eine Verkaufsinformation, die Ihre Gäste vor der Buchung suchen und die fast kein Platz ordentlich veröffentlicht.
Zwei Ebenen: das Bauen und das Buchen
Für das Gebaute gilt die Landesbauordnung Ihres Bundeslandes, die für öffentlich zugängliche Anlagen Anforderungen an Barrierefreiheit stellt und dabei auf die technische Regel DIN 18040 verweist. Das greift vor allem bei Neubau und bei wesentlichen Umbauten, nicht rückwirkend für ein Sanitärgebäude von 1988. Was in Ihrem Land genau gefordert ist und ab wann, sagt Ihnen die Bauaufsicht oder Ihr Architekt, und das lohnt sich einmal schriftlich zu haben.
Die zweite Ebene ist neuer und wird noch kaum beachtet: das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, das seit Ende Juni 2025 gilt und unter anderem Dienstleistungen betrifft, die elektronisch für Verbraucher erbracht werden. Eine Online-Buchung auf Ihrer Website fällt in diese Richtung. Kleinstunternehmen, also Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten und einem Jahresumsatz oder einer Jahresbilanzsumme von höchstens zwei Millionen Euro, sind bei Dienstleistungen von den Anforderungen ausgenommen. Ob Ihr Platz darunter fällt, ist angesichts der Saisonbesetzung keine triviale Frage: rechnen Sie es durch und lassen Sie sich die Einschätzung von Ihrem Berater bestätigen, statt sie zu vermuten.
Der Aufwand, der daraus praktisch folgt, ist überschaubar und zahlt sich ohnehin aus: lesbare Schrift mit Kontrast, Bedienbarkeit per Tastatur, Alternativtexte für Bilder, Formulare mit richtig beschrifteten Feldern, und eine Seite, die auch bei vergrößerter Darstellung funktioniert. Fragen Sie das bei der nächsten Überarbeitung Ihrer Website ausdrücklich ab.
Barrierefrei heißt nicht nur Rollstuhl
Die Regeln und, wichtiger, Ihre Gäste meinen viel mehr als Mobilität: Sehen, Hören, kognitive Einschränkungen. Und es gibt eine große Gruppe, die sich nicht als behindert bezeichnet und dasselbe braucht: ältere Gäste, jemand nach einer Knieoperation, eine Familie mit Kinderwagen.
Auf einem Campingplatz heißt das sehr Konkretes: ein befestigter, schwellenfreier Weg zu den Sanitärgebäuden, ein Empfangstresen mit abgesenktem Teil, abends ausreichende Beleuchtung, lesbare Beschilderung mit Kontrast, und Personal, das Antworten kennt, ohne den Chef zu holen.
Was ein Gast wirklich prüft
Jenseits der Vorschriften wird vor der Buchung genau das geprüft, in dieser Reihenfolge:
- Das Sanitärgebäude: eine barrierefreie Kabine mit Stützgriffen, Wendefläche und schwellenloser Dusche, sauber und im August nicht als Putzmittellager genutzt.
- Der Weg: vom Parkplatz zur Parzelle und von der Parzelle zum Sanitär, befestigt, ohne Stufe und nach Regen befahrbar.
- Die Parzelle oder Unterkunft: eben, nah am Sanitär, mit einem Stellplatz daneben, und bei einem Mobilheim eine korrekte Rampe und ein wirklich nutzbares Bad.
- Die Rezeption: abgesenkter Tresenteil und jemand, der die Antworten kennt.
- Das Schwimmbad: wie man ins Becken kommt, ob es einen Lifter oder eine Treppe mit Handlauf gibt, und zu welchen Zeiten.
- Die Information vor der Buchung: Fotos, Türbreiten, Neigungen und Maße, ehrlich veröffentlicht.
Der letzte Punkt ist der, der Geld bringt. Eine Familie, die auf Ihrer Website die lichte Breite der Badtür und die Neigung des Wegs findet, bucht bei Ihnen und nicht beim Nachbarn, der nur barrierefrei schreibt. Und Ihnen bleibt die Katastrophenanreise am Freitagabend erspart, wenn die Wirklichkeit nicht zur Zusage passt.
Messen und veröffentlichen, auch wenn es nicht perfekt ist
Viele Plätze schreiben nichts, weil sie glauben, ohne vollständige Barrierefreiheit sei Schweigen besser. Es ist genau umgekehrt. Was Ärger macht, ist nicht eine Neigung von acht Prozent, sondern sie bei der Ankunft zu entdecken.
Nehmen Sie an einem Novembermorgen einen Zollstock und notieren: lichte Breite der Türen von barrierefreier Kabine und Mobilheim, Maße der Wendefläche, Höhe von WC und Griffen, Neigung des steilsten Wegabschnitts, Entfernung der barrierefreien Parzelle zum Sanitär in Metern, und ob der Untergrund Beton, Schotter oder Wiese ist. Veröffentlichen Sie diese Tabelle auf einer eigenen Seite und verlinken Sie sie von der Preisseite.
Dazu vier ungeschminkte Fotos: die barrierefreie Kabine vollständig, die Dusche, der Eingang der Unterkunft mit Rampe, und der Weg. Ein Vormittag Arbeit, und das Telefongespräch im Februar ist für immer erledigt.
Wenn Sie es formeller möchten: es gibt in Deutschland ein nationales Kennzeichnungssystem für barrierefreien Tourismus, bei dem geprüfte Betriebe ihre tatsächlichen Gegebenheiten je Behinderungsart ausweisen. Fragen Sie Ihren Landestourismusverband danach, wenn Sie das angehen wollen, denn die Prüfung wird außerhalb der Saison vorbereitet.
Notieren Sie den Bedarf an der Buchung
Eine Information zur Barrierefreiheit, die im Kopf der Person bleibt, die den Anruf angenommen hat, nützt nichts. Notieren Sie den Bedarf an der Buchung selbst: barrierefreie Parzelle gewünscht, Rollstuhl, Nähe zum Sanitär, Assistenzhund. Am Anreisetag sieht derjenige, der empfängt, dasselbe wie derjenige, der gebucht hat.
Und denken Sie daran, dass ein Assistenzhund kein Haustier ist: für ihn gelten weder Ihre Hunderegeln noch Ihr Hundepreis, und sein Zutritt ist gesetzlich geschützt. Erklären Sie das den Saisonkräften, bevor es an der Schranke zum Thema wird.
In CampSuite hält die Buchung die Gäste und ihre Daten, die Anzahlung, die Nachrichten und die Rechnung an einer Stelle, auch auf dem Handy, und die Ankünfte des Tages erscheinen mit dem, was notiert wurde. Zu sehen in den Funktionen, die Kosten auf der Seite mit den Preisen.
Prüfliste für diesen Winter
- Anforderungen Ihrer Landesbauordnung schriftlich eingeholt und abgelegt.
- Geprüft, ob Ihr Betrieb bei Dienstleistungen als Kleinstunternehmen vom BFSG ausgenommen ist, mit Bestätigung vom Berater.
- Barrierefreiheit der Online-Buchung bei der nächsten Website-Überarbeitung ausdrücklich beauftragt.
- Rundgang mit dem Zollstock: Türbreiten, Wendeflächen, Neigungen, Schwellen, Tresenhöhe.
- Tabelle mit echten Maßen auf einer eigenen Seite veröffentlicht und von der Preisseite verlinkt.
- Vier unbearbeitete Fotos: Kabine, Dusche, Eingang mit Rampe, Weg.
- Barrierefreie Kabine geprüft: Griffe fest, Wendefläche frei, Dusche schwellenlos.
- Festgelegt, dass die barrierefreie Kabine im August kein Lager wird.
- Hauptweg befestigt und nach Regen befahrbar.
- Stellplatz direkt neben barrierefreier Parzelle oder Unterkunft.
- Abgesenkter Teil am Empfangstresen.
- Beleuchtung des Wegs zum Sanitär nachts geprüft.
- Zugang zum Schwimmbecken auf der Website beschrieben, mit Zeiten.
- Feld für Barrierefreiheit in der Buchung vorhanden und benutzt.
- Personal zu Assistenzhunden geschult und klar, wer solche Fragen beantwortet.
Barrierefreiheit ist eines dieser Themen, die in der Saison teuer werden und im November fast nichts kosten. Der Zollstock kostet einen Vormittag, die Tabelle auf der Website einen zweiten, und beide bringen Buchungen, die Sie bisher unbemerkt verloren haben. Wenn Sie Buchungen und Ankünfte an einer Stelle führen möchten, sehen Sie sich die Lösung für kleine Plätze an oder schreiben Sie uns über die Kontaktseite.