Zwischen Oktober und Ostern steht das Wasser im Sanitärgebäude fast ein halbes Jahr still. Am ersten warmen Wochenende im April drehen dreißig Gäste gleichzeitig die Duschen auf, und was in den Leitungen gewachsen ist, wird zu feinem Nebel in einem geschlossenen Raum. Genau darum geht es beim Thema Trinkwasser und Legionellen auf dem Campingplatz: nicht um Papier, sondern um die Woche vor der Saison. Dieser Beitrag ordnet, wer untersuchungspflichtig ist, welche Werte gelten, was Sie im Frühjahr tun müssen und was das Gesundheitsamt von Ihnen erwartet.
Sie geben Trinkwasser ab, auch wenn Sie es nicht verkaufen
Wer Wasser im Rahmen einer gewerblichen oder öffentlichen Tätigkeit an andere abgibt, unterliegt der Trinkwasserverordnung. Ein Campingplatz tut genau das: an den Zapfstellen der Parzellen, in den Sanitärgebäuden, in den Mietunterkünften und in der Gastronomie. Dass Sie das Wasser vom Versorger beziehen und nicht selbst gewinnen, ändert daran nichts. Ab der Übergabestelle sind Sie für die Anlage verantwortlich.
Daraus folgen drei Dinge: Ihre Anlage ist beim Gesundheitsamt anzuzeigen, sie ist nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik zu betreiben und zu warten, und bei Warmwasseranlagen einer bestimmten Größe kommt die Untersuchung auf Legionellen dazu. Wenn Sie nicht wissen, ob Ihre Anlage dem Gesundheitsamt bekannt ist, rufen Sie dort an. Das Gespräch ist unangenehmer, wenn es nach einem Befund stattfindet.
Wann eine Legionellenuntersuchung fällig ist
Untersuchungspflichtig sind Anlagen, die als Großanlage zur Trinkwassererwärmung gelten und über Duschen oder andere Einrichtungen verfügen, bei denen Wasser vernebelt wird. Die Einordnung als Großanlage hängt vom Speichervolumen und vom Inhalt der Leitungen zwischen Erwärmung und Entnahmestelle ab, und die meisten Sanitärgebäude mit zentralem Speicher fallen darunter. Ob Ihr Platz als gewerbliche oder als öffentliche Abgabe eingestuft wird, entscheidet über die Häufigkeit der Untersuchung. Lassen Sie sich diese Einordnung vom Gesundheitsamt schriftlich geben, statt sie zu schätzen.
Untersucht wird nicht irgendwo, sondern an festgelegten Probenahmestellen: am Austritt des Warmwasserspeichers, am Rücklauf der Zirkulation und an peripheren Entnahmestellen in den einzelnen Steigsträngen. Dafür braucht die Anlage geeignete Entnahmearmaturen. Wenn ein Labor beim ersten Termin feststellt, dass keine vorhanden sind, verlieren Sie eine Woche und einen Termin. Klären Sie das im Winter mit Ihrem Installateur.
Beauftragen Sie ein für Trinkwasseruntersuchungen zugelassenes Labor, und legen Sie den Termin so, dass die Anlage vorher normal in Betrieb war. Eine Probe aus einer gerade erst gespülten Anlage sagt nichts.
Der Maßnahmenwert und was danach passiert
Für Legionellen gilt ein technischer Maßnahmenwert von 100 koloniebildenden Einheiten je 100 Milliliter. Wird er überschritten, ist das kein Grund zur Panik, aber es löst eine feste Kette aus: Sie melden das Ergebnis unverzüglich dem Gesundheitsamt, lassen eine Gefährdungsanalyse durchführen, die die Ursache sucht, und setzen die daraus folgenden Maßnahmen um. Je nach Höhe der Belastung kann das Gesundheitsamt zusätzlich Anordnungen treffen, bis hin zu einem Duschverbot oder der Information der Gäste.
Die Ursachen sind auf Campingplätzen fast immer dieselben: zu niedrige Temperaturen, Stagnation in selten genutzten Strängen, tote Leitungsenden aus Umbauten früherer Jahre und eine Zirkulation, die nicht überall ankommt. Das ist die gute Nachricht, denn alle vier lassen sich abstellen.
Temperaturen, Stagnation und tote Leitungen
Drei Regeln decken den größten Teil der Praxis ab. Erstens die Temperatur: Warmwasser verlässt den Speicher mit mindestens 60 Grad, und das Wasser in der Zirkulation soll nicht unter 55 Grad zurückkommen. Wer im Herbst die Speichertemperatur absenkt, um Energie zu sparen, kauft sich im Frühjahr ein Problem.
Zweitens die Stagnation. Leitungen, die länger als ein paar Tage nicht genutzt werden, sind der eigentliche Grund, warum Campingplätze anfälliger sind als Hotels. Legen Sie für die Nebensaison und für die Winterpause einen Spülplan fest: welche Entnahmestellen, wie oft, wie lange, wer macht es, und wo wird es abgehakt. In der Vorsaison, wenn nur ein Teil der Sanitärgebäude geöffnet ist, gilt derselbe Plan für die geschlossenen Bereiche.
Drittens die toten Leitungen. Jeder Platz, der seit dreißig Jahren umgebaut wird, hat sie: der abgetrennte Strang zum alten Waschhaus, der Anschluss für den Kiosk, der nicht mehr existiert. Eine abgesperrte Leitung ist kein stillgelegter Strang, sondern ein Reservoir. Lassen Sie solche Abschnitte zurückbauen, nicht nur abdrehen, und zeichnen Sie es im Plan nach.
Was das Gesundheitsamt sehen will
Halten Sie eine dünne Mappe bereit, nicht einen Ordner. Hinein gehören der aktuelle Anlagenplan mit den Probenahmestellen, die letzten Untersuchungsbefunde, die Wartungsnachweise von Speicher, Zirkulationspumpe und Enthärtungsanlage, der Spülplan mit den abgezeichneten Durchgängen und, falls es je einen Befund gab, die Gefährdungsanalyse und die daraus umgesetzten Maßnahmen.
Wer diese Mappe hat, erledigt eine Begehung in einer halben Stunde. Wer sie nicht hat, verbringt eine Woche damit, Rechnungen von 2019 zu suchen.
Prüfliste für das Frühjahr
- Anlage beim Gesundheitsamt angezeigt, Einordnung als gewerblich oder öffentlich schriftlich vorliegend.
- Probenahmestellen vorhanden und im Anlagenplan eingezeichnet.
- Untersuchungstermin mit einem zugelassenen Labor rechtzeitig vor Saisonstart vereinbart.
- Speicheraustritt mindestens 60 Grad, Zirkulationsrücklauf nicht unter 55 Grad, gemessen und notiert.
- Spülplan für Winterpause und Nebensaison festgelegt und einer Person zugeordnet.
- Alle Entnahmestellen vor Saisonbeginn ausgiebig gespült, auch in geschlossenen Gebäuden und Mietunterkünften.
- Tote Leitungsabschnitte identifiziert und zum Rückbau eingeplant.
- Duschköpfe und Perlatoren gereinigt oder getauscht.
- Wartung von Speicher, Zirkulationspumpe und Enthärtung dokumentiert.
- Mappe mit Plan, Befunden, Wartung und Spülplan an einem bekannten Ort.
Das Thema wirkt technisch, aber es ist im Kern Saisonplanung: Wasser, das in der Nebensaison bewegt wird, macht im Sommer keine Probleme. Tragen Sie die Spülungen und den Labortermin im Herbst in den Kalender für das Frühjahr ein, zusammen mit allem anderen, was vor der Saison zu tun ist. Wenn Sie Buchungen, Gäste und die Auslastung Ihres Platzes an einer Stelle führen möchten, sehen Sie sich die Funktionen, die Lösung für kleine Plätze und die Preise an oder schreiben Sie uns über die Kontaktseite.